Und warum ich Deadlines brauche…

Bärlauch-Tarte

Stress. Das war eine Zeit lang ja mal total in. Jeder der was auf sich hielt war „gestresst“. Wenn man Leute fragte wie es ihnen geht kam dieser Ausdruck wie aus der Pistole geschossen. Sofern jemand aus Versehen mal sagte „Ja, danke, mir geht es prima“ oder sowas wie „ach ja, man lebt halt“ von sich gab, war er sowas von out. Hip war wirklich nur der, der ein gewisses Maß an Überlastung überzeugend von sich behaupten konnte. War ja auch klar, es war schlichtweg total im Trend, superviel zu tun zu haben und keine freie Minute zur Ruhe zu kommen. Relaxen?! Dieses Wort existierte im Wortschatz eines Erwachsenen oder Möchtegern-Erwachsenen nicht.

Wie das bei derartigen Zeitphänomenen aber immer so ist, wird nach solchen Phasen grundsätzlich erstmal eine gegenteilige populär. Es folgte nach dieser hektischen Zeit also ein ruhigerer Abschnitt. Wörter wie „Entschleunigung“ machten Karriere. Plötzlich war es offiziell mehr als nur eine temporäre Einstellung, seine Tage ruhig zu verbringen oder sich zumindest ein Mal die Woche auszuklinken und runterzukommen, es war vielmehr zum neuen Lifestyle geworden. Yoga war angesagter als je zuvor, man entspannte und meditierte am Abend, die ganz Abgefahrenen taten das sogar in der Mittagspause oder verbrachten diese zumindest gerne außerhalb der Arbeitsstelle an der frischen Luft, um neue Energie zu tanken.

Bärlauch-Tarte

Mir persönlich ist ehrlich gesagt ziemlich egal was gerade Phase ist. Ich mag Stress. Bzw. ich brauche Stress. Oder genauer gesagt, ich brauche Deadlines in meinem Leben, die mich zuvor grundsätzlich in den notwendigen Stress versetzen. Zeitpunkte, an denen ich definitiv etwas erledigt oder abgeschlossen haben muss, wenn ich nicht mit schwerwiegenden negativen Konsequenzen leben möchte. Ich bin nämlich eine Meisterin des Aufschiebens. Mein Leben wäre wahrscheinlich wesentlich entspannter, wenn ich im privaten Bereich einen Boss hätte, der den Überblick behält und mir sagt… nein, der mir befiehlt was zu tun ist. Ok ok, klar, ich hab einen Mann, der gerne den Chef spielt, und auch meine Mutter erinnert mich gerne mal an das ein oder andere TO DO auf meiner Liste, bei beiden muss ich allerdings nicht mit schlimmen Folgen rechnen, wenn ich diese Dinge weiterhin ganz gediegen vor mir herschiebe. Höchstens mal mit rollenden Augen 😀

Bärlauch-Tarte

Es ist ja nicht so, dass ich nicht andauernd an die Dinge, die ich unbedingt erledigen muss, denke. Im Gegenteil. Mindestens ein Mal am Tag klingelt in meinem Kopf eine Art Alarmglocke, die mich auf unangenehme Art und Weise an die Sachen erinnert. Jeden verdammten Tag. Jaja, und täglich grüßt das Murmeltier… Aber glaubt auch nur einer, dass ich einfach mal beginne, die Dinge nach und nach abzuarbeiten, um nicht jeden Tag aufs Neue wieder daran erinnert zu werden, dass sie noch offen sind?! Ohne Deadline mit höchster, aber wirklich allerhöchster Dringlichkeitsstufe?! Neheee, natürlich nicht! Ist doch auch viel spannender, das ein oder andere im allerletzten Moment zu tun. Mit Anspannung im Körper, weil man nicht weiß, ob man es nun überhaupt noch rechtzeitig erledigt bekommt. …Und es dann noch „in time“ zu schaffen, ja, dieses Gefühl ist unbezahlbar. Der Höhepunkt einer adrenalingeladenen vorangegangenen Phase. Was für ein Flash! Andere benötigen für so einen Kick einen Sprung vom 10-Meter-Turm, mir reicht dafür die Abgabe der Steuererklärung.

Bärlauch-Tarte

So läuft das übrigens gerne auch mal mit meinen Blogbeiträgen. Ich backe was tolles oder fotografiere was superleckeres das meine Mom gebacken hat, bearbeite die Fotos, lade sie auf den Blog hoch und… lass sie da erstmal liegen. Ganz gemütlich. In einem neu angelegten Beitrag. Oftmals schreibe ich auch schon den Text zum Beitrag, oder das Rezept – in der Regel aber nicht beides zusammen. Was zwangsläufig natürlich dazu führt, dass der Blogpost nicht fertig wird. Vor allem bei saisonalen Lebensmitteln ist das hin und wieder etwas nervenaufreibend, denn mit jedem neuen Morgen steigt sodann der Druck, endlich diesen Beitrag fertigzustellen, bevor die Saison für das Obst oder das Gemüse bald schon wieder um ist.

Bärlauch

Wie z. B. bei Bärlauch. Ja klar weiß ich, dass es den nur kurze Zeit gibt und diese momentan mit großen Schritten ihrem Ende zugeht. Und ja, der Beitrag liegt schon länger hier auf meiner Seite rum, aber erst jetzt, jetzt nachdem die Bärlauchzeit fast rum ist, schaffe ich es endlich, den Blogpost zu Ende zu schreiben und Euch das Rezept zu kredenzen. Ich tippe die letzten Worte, beschrifte die Fotos und kann Euch sagen, wenn ich jetzt gleich auf den Button „Veröffentlichen“ klicke, dann ist das ein weiterer Höhepunkt, der mich anschließend zu totaler Entspannung führt. Ich brauche gewisse Deadlines einfach um zu funktionieren. In diesem Sinne überlasse ich Euch jetzt das Rezept für dieköstliche Bärlauch-Tarte, die meine Mom vor einiger Zeit für uns gebacken hat als der erste Bärlauch im Garten aus der Erde schoss und wünsche Euch, dass Ihr im Supermarkt noch einen Bund ergattert, damit Ihr dieses Pracktstück ebenfalls backen könnt. In diesem Sinne, ich entspann mich jetzt mal…

Bärlauch-Tarte

Das Rezept für die Bärlauch-Tarte:

Bärlauch-Tarte
 
Zutaten
Für den Boden:
  • 350 g Mehl
  • ½ Päckchen Backpulver
  • 1 Teelöffel Salz
  • 150 g kalte Butter
  • 1 Ei
  • 2 Esslöffel kaltes Wasser
Für die Füllung:
  • 1 Bund Frühlingszwiebel
  • 150 g Speck
  • 2 Esslöffel Butter
  • 200 g Käse (z. B. Gruyère)
  • 300 g saure Sahne
  • 4 Eier
  • 1 Bund Bärlauch
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskatnuss
Zubereitung
  1. Den Backofen auf 160 °C Umluft (180 °C Ober- / Unterhitze) vorheizen.
  2. Für den Boden das Mehl mit dem Backpulver und dem Salz mischen. Die Butter in kleine Stücke schneiden und dazugeben. Ei und Wasser ebenfalls untermengen und alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
  3. Den Teig in Folie wickeln und ca. 1 Stunde kühlen.
  4. Die Fühlingszwiebeln klein schneiden, ebenso den Speck. Beides in der Butter ein paar Minuten andünsten.
  5. Den Käse raspeln.
  6. Die Bärlauchbläter in Streifen schneiden.
  7. Eier mit der sauren Sahne verrühren, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen.
  8. Den Teig nun auf leicht bemehlter Fläche ausrollen und in eine Tarte- oder Springform (Durchmesser ca. 26 cm) legen. Einen Rand hochziehen.
  9. Die Bärlauchstreifen auf dem Boden verteilen. Die Zwiebel-Speck-Mischung ebenfalls. Nun die Eiermasse darüber gießen und zum Schluss den Käse auf der Oberfläche verteilen.
  10. Die Tarte nun ca. 45 Minuten backen.
  11. Die Bärlauch-Tarte nach dem Backen kurz abkühlen lassen und sodann servieren.

 

Bärlauch-Tarte

☆ Mara

4 Kommentare zu Bärlauch-Tarte

  1. Dagmar
    4. Mai 2017 at 9:12 (3 Monaten ago)

    Eine wundervolle Tarte…schöne Idee…Bärlauch ist ein großartiges Kraut, so vielfältig,
    aber an eine Tarte hätte ich nicht gedacht.
    Ich mache es übrigens ähnlich mit den Beiträgen, nur dass ich manchmal vergesse die Änderungen zu notieren und dann weiß ich nicht mehr wie ich es gemacht habe.
    Manchmal schreibe ich aber auch schon die Zutaten in den noch nicht fertigen Post.

    Lieben Gruß
    Dagmar

    Antworten
    • Life Is Full Of Goodies
      6. Mai 2017 at 21:51 (3 Monaten ago)

      Ich mag Bärlauch auch total ?
      Hach ja, ich nehm mir ja immer mal wieder vor, meine Beiträge künftig gleich ganz fertig zu schreiben, klappt nur leider nach wie vor nicht… LACH

      Antworten
  2. Steffi
    4. Mai 2017 at 12:22 (3 Monaten ago)

    Ach ja das Aufschieben, das kenne ich nur zu gut! 😉
    Mal sehen ob ich noch frischen Bärlauch ergattere!
    Aber zum Glück habe ich vom ersten Bärlauch jede Menge Pesto gemacht und das könnte ich hier prima mit in die Füllung geben! 😀
    So gibts nach der Saison auch noch bärlauchiges! *yummy* 🙂

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    • Life Is Full Of Goodies
      6. Mai 2017 at 21:49 (3 Monaten ago)

      Oh super, Bärlauchpesto ist klasse! Da hab ich dieses Jahr auch eine Menge von gemacht ?

      Antworten

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